Glück im Familienalltag
Aus der Neuauflage: Mit Kindern wachsen – NLP im Alltag
Was macht das Leben lebenswert? Was ist für alle Menschen erstrebenswert? Was wollen wir unseren Kindern weitergeben? Die Positive Psychologie hat dafür den Begriff „Aufblühen“ geprägt. „Aufblühen“ bedeutet, sein Potential entfalten, seine Stärken einsetzen und dadurch glücklich leben.
Dieses „Aufblühen“ umfasst also weit mehr als nur Fröhlichkeit und gute Gefühle. Diese positiven Emotionen sind ein Aspekt des „Aufblühens“, und sie werden durch weitere Aspekte eines erfüllten Lebens ergänzt. Die folgende Grafik veranschaulicht das:
Sinn, Erfüllung, Leistungsbereitschaft und positive Beziehungserfahrungen sind neben den positiven Gefühlen die Säulen des Aufblühens. 
Betrachten wir diese Bausteine des persönlichen Glücks zunächst einzeln, bevor wir uns dann der Frage zuwenden, wie Sie als Eltern diese Anregungen mit ihren Kindern im Alltag umsetzen können.
Positive Emotionen
Das Erleben angenehmer Gefühle ist sicher ein wesentlicher Aspekt eines glücklichen Lebens. Dazu gehören Gefühle wie z.B. Spaß, Freude, Fröhlichkeit, Genuss, Entspannung…. Und alle diese Gefühle sind für Kinder ganz natürlich – zumindest so lange sie ihnen nicht im Rahmen der Erziehung oder Schule „abgewöhnt“ worden sind. Es geht also darum, diese positiven Gefühle als wichtig und wertvoll wahrzunehmen. Sie helfen uns dabei, emotionale Polster zu bauen, auf die wir uns dann verlassen könne, wenn der Alltag einmal nicht so fröhlich ist.
Erfüllung
… kennen Sie den Begriff „Flow“? Auch wenn Ihnen das Wort selbst nicht geläufig ist, so kennen Sie sicher den Zustand, der damit beschrieben wird: Wir vergessen Zeit und Raum - und gehen ganz auf in dem was wir tun. Musiker beschreiben diese Erfahrung, ebenso Schriftsteller, Künstler und auch Handwerker, die ihre Arbeit gerne ausüben. Flow entsteht, wenn wir unsere Stärken einsetzen und mit hoher Motivation dabei sind. Wer völlig entspannt in der Sonne liegt, der erlebt vielleicht völlige Ruhe und Zufriedenheit – doch das Gefühl des Aufgehens im Tun ist immer mit Aktivität und Engagement verbunden.
Jeder, der im Flow war, hat hinterher das Gefühl, "aufgewacht" zu sein. Das Gefühl der Erfüllung können wir nur rückblickend erkennen – denn wenn wir realisieren „Jetzt bin ich gerade im Flow“, dann sind wir ja gerade schon wieder aus der Erfahrung ausgestiegen und betrachten sie von außen! Diese intensive Erfahrung trägt maßgeblich zum persönlichen Wohlbefinden bei. Kinder sind darin Meister: Flow ist für sie eine ganz selbstverständliche Qualität ihres Erlebens; z.B. wenn sie ganz im intensiven Rollenspiel aufgehen oder selbstvergessen beim Spazierengehen stehenbleiben, um die Spiegelung des Himmels in einer Pfütze zu betrachten…
Sinn
Was gibt meinem Leben Bedeutung? Wofür setze ich mich ein? Wo fühle ich mich zugehörig? Antworten auf diese Fragen verhelfen uns beim Aufblühen. Engagierte Eltern (und als Leser dieses Buches gehören Sie ganz sicher zu dieser Gruppe!) möchten ihren Kindern Werte und Sinnhaftigkeit weitergeben - besser noch: vorleben. Im Lauf der Zeit machen sie dann vielleicht die Erfahrung, dass ihre Kinder sozusagen den Gegenentwurf zu dem der Eltern leben wollen. Im Rahmen des Heranwachsens, in der Pubertät und der beginnenden Adoleszenz, ist das eine völlig normale und wahrscheinlich notwendige Phase. Denn wenn ich definieren kann, was ich nicht will, dann bin ich damit auch schon einen Schritt weiter bei der Frage, was ich will.
In der Positiven Psychologie wird das Thema „Sinn“ mit folgenden Fragen beschrieben: „Wo fühle ich mich zugehörig? Wofür setze ich mich ein – das größer ist als ich?“ Das gibt dem Leben Sinn.
Leistungsbereitschaft
Wie können wir Spaß daran entwickeln, unsere eigenen Stärken einzusetzen? Aufblühen bedeutet längst nicht nur lächelnd da zu sitzen, sondern es hat sehr viel damit zu tun, das eigene Potential auszuschöpfen. Wer sich für seine persönlichen Ziel einsetzt, Zeit und Energie investiert und Erfolg damit hat, der trägt nachhaltig zum Wohlbefinden bei.
Zur Leistungsbereitschaft gehören auch so „altmodische“ Tugenden wie Ausdauer, Verzicht und Disziplin. Psychologen nennen das „Belohnungsaufschub“. Sie beschreiben damit die Fähigkeit, kurzfristig auf eine Belohnung, ein angenehmes Gefühl verzichten zu können, im Wissen, dass der positive Effekt langfristig größer sein wird. Jeder Sportler, jeder Musiker kennt das, ebenso jeder, der sich auf eine Prüfung vorbereitet – und jede Mutter, jeder Vater, der nachts von seinem Kind geweckt wird. Es ist sicher kein angenehmes Gefühl, aus dem wohlverdienten Schlaf gerissen zu werden – doch es ist für Eltern selbstverständlich, denn sie wissen um den Nutzen, den es langfristig bietet, wenn sie ihrem Kind nachts die nötige Sicherheit und Zuwendung geben, die es braucht, um ruhig weiterzuschlafen.
Untersuchungen haben übrigens gezeigt, dass für die Vorhersage des schulischen Erfolgs nicht etwa die Intelligenz (in Form des IQ-Wertes) ausschlaggebend ist, sondern viel mehr die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub. Und das lässt sich in kleinen Schritten trainieren.
Positive Beziehungen
Glück erlebt sich am besten zusammen mit anderen. Nehmen Sie sich Zeit für Begegnungen. Menschen mit glücklichen Beziehungen leben länger! Alte Menschen, die einsam und ohne Bezugspersonen leben, sterben früher.
Bindung ist ein ganz zentrales menschliches Grundbedürfnis. Psychologen sprechen davon, dass ein Kind „sicher gebunden“ ist, wenn es das Verhältnis zu seinen Bezugspersonen vertrauensvoll erlebt. Diese Bezugspersonen müssen nicht die biologischen Eltern sein, entscheidend ist, dass sie dauerhaft und zuverlässig für das Kind da sind. Sichere Bindung heißt „Ich kann mich auf dich verlassen. Du bist für mich da, nimmst mich an und sorgst für mich.“ Der Aufbau solcher Bindungserfahrungen beginnt mit dem ersten Lebenstag des Kindes. Und er ermöglicht dem Kind, Grenzen zu testen, um immer wieder sicherzustellen, dass Mama oder Papa auch wirklich da sind und bleiben. Das bedeutet, sicher gebundene Kinder können starke Gefühle zeigen, weil sie die innere Sicherheit haben, dass sie mit ihren Emotionen angenommen werden.
Soviel zu den fünf Säulen des „Aufblühens“. In der Grafik stehen diese Säulen auf einem Fundament, den persönlichen Stärken. Was haben diese Stärken nun mit Glück zu tun?
…im pdf lesen Sie mehr dazu
Dieser Text ist ein Auszug aus dem neuen Kapitel der erweiterten Neuauflage Daniela Blickhan: Mit Kindern wachsen – NLP im Alltag. Junfermann Verlag 2012
Die Positive Psychologie ist Bestandteil folgender Kurse im INNTAL: Master Beratung, Advanced Master Burnoutprophylaxe, Coach-Ausbildung
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