zum Buch
Das Buch liegt in erweiterter Neuauflage und mit neuem Design vor. Neu darin ist ein Kapitel über Positive Psychologie und ihre Möglichkeiten im Familien-Alltag.
Ein NLP-Ratgeber für Eltern, Erzieher, Pädagogen und alle, die mit Kindern leben und arbeiten. In diesem Buch sind viele Themen der NLP Practitioner Ausbildung für den Alltag mit Kindern umgesetzt.
Junfermann, 2012 (5. überarbeitete Auflage), € 22,90, auch erhältlich als ebook
Fragen Sie Eltern kleiner Kinder, was sich durch die Kinder in ihrem Leben verändert hat, und Sie werden meistens die übereinstimmende Antwort erhalten: "Alles!" Die neue Rolle als Vater und Mutter entpuppt sich sehr schnell als absoluter Vollzeit-Job ohne Urlaubsgarantie - und dafür gab es nicht einmal eine Ausbildung.
Dieses Buch beschreibt, wie Erwachsene die Möglichkeiten und Grundannahmen des NLP in ihrem Alltag mit Kindern nutzen können. Es ist nicht nur ein Lese- und Arbeitsbuch für Eltern, sondern auch für Großeltern, Erzieher, Pädagogen und alle, die mit Kindern leben und arbeiten. Das Buch bietet Ideen, Übungen und Anwendungshilfen, um mit den Kindern neue Wege zu gehen - weg von Streß, Streit, und Spannung hin zu Spaß, Freude und gegenseitigem Verständnis.
Nicht Psychotherapie mit Kindern ist hier das Thema, sondern ein vorbeugender Ansatz: Was können Erwachsene tun, damit sich "Störungen" bei Kindern gar nicht erst festsetzen? Wie können sie die Kinder und sich selbst unterstützen bei dem gemeinsamen Ziel, miteinander zu wachsen?
Inhalt
- Der Teil für die Eltern
- Was hat Erziehung mit NLP zu tun?
- Wie Ziele Wirklichkeit werden
- Kraft für den Alltag
- Schuldgefühle und schlechtes Gewissen
- "Eltern sein dagegen sehr..." - Vom Umgang mit der eigenen Identität
- Der Teil für Eltern und Kinder
- Kinder und Eltern als Gesprächs-Partner
- Zugang finden zur Welt des anderen
- Verstehen und verstanden werden
- "Schlaf, Kindlein, schlaf...!!"
- Von guten Absichten und ihrer Verwirklichung
- "Schwierige" Kinder und gestreßte Eltern
- Reizwort Aggression: Wenn Kinder um sich schlagen
- Heilende Geschichten
- Grundlagen positiver Erziehung
Leseprobe
Blickhan, Daniela - Mit Kindern wachsen - NLP im Alltag
Was ist NLP?
Am Anfang des NLP stand eine einfache Frage: Was ist es, das bestimmte Psychotherapeuten erfolgreich macht? Warum können diese Therapeuten anderen Menschen wirklich helfen, sich zu verändern - wie gehen sie mit ihren Klienten um? Die "Erfinder" des NLP nahmen deshalb das Verhalten erfolgreicher Therapeuten unter die Lupe und fanden Strategien und Grundeinstellungen, die ihren Umgang mit anderen Menschen bestimmten. Das war das "Rohmaterial", aus dem sie das "Neurolinguistische Programmieren" (NLP) entwickelten.
Der komplizierte Name läßt sich recht einfach erklären: NLP befaßt sich mit den Zusammenhängen von körperlichen Vorgängen ("Neuro-"), Sprache ("-linguistisches") und inneren Verarbeitungsprozessen ("-Programmieren"). Unsere Gedanken und Gefühle werden in unserer Sprache sichtbar. Es besteht eine dauernde Wechselwirkung zwischen Körper, Geist und Seele - oder anders gesagt zwischen dem, was wir erleben, denken fühlen und der Art und Weise, wie wir handeln. Keines dieser "Teile" existiert unabhängig von den anderen; alle sind eng miteinander vernetzt. Mit NLP kann man lernen, diese Zusammenhänge zu verstehen und zu nutzen.
Nehmen wir an, ein Vater ärgert sich über sein Kind, weil es einen wichtigen Geschäftsbericht als Ausschneidebogen mißbraucht und zerschnipselt hat. Das Wort "Ärger" ist hier nichts anderes als ein Sammelbegriff für die komplexen physiologischen Vorgänge in seinem Körper: Sein Herzschlag beschleunigt sich, das Erregungsniveau steigt und bestimmte Streßhormone werden vermehrt ausgeschüttet, um nur einige davon zu nennen. Sein Bewußtsein erkennt dieses physiologische Muster als "Ärger" und verbindet es mit dem entsprechenden Wort und den internen Bewertungsprozessen, die dazugehören. Vielleicht wurde diesem Vater von klein an beigebracht, daß man Ärger nicht zeigen darf. Dann wird er seine physiologische Reaktion wahrscheinlich negativ bewerten und eher versuchen, sie zu unterdrücken. Vielleicht hatte er aber auch cholerische Vorbilder, die beim geringsten Anlaß in die Luft gingen und sich damit erfolgreich gegen andere durchsetzen konnten. Daraus mag er allmählich gelernt haben, daß man Ärger ruhig ausdrücken soll, weil man dann der Überlegene ist. In diesem Fall würde die physiologische Reaktion eher positiv bewertet werden. - Das waren nur zwei mögliche Beispiele aus der Fülle der möglichen Bewertungsprozesse, die skizzenhaft die beiden Pole aufzeigen, zwischen denen sich die Bewertungen bewegen. Diese internen Bewertungen und Überzeugungen sind oft sehr komplex und dem Bewußtsein nicht unbedingt direkt zugänglich. Dann kann man erst aus der eigenen Gefühls-Reaktion Rückschlüsse darauf ziehen.
Wer sich ärgert, sieht seine Umwelt anders als im ruhigen Zustand: Er sieht "rot". Entsprechend wird er auch anders mit dieser Umwelt umgehen - zum Beispiel mit einem "Komm mir ja nicht zu nahe - ich bin auf 180!". Seine inneren Denkprogramme beeinflussen, wie er die Situation wahrnimmt und darauf reagiert. Seine Wahrnehmung wird wiederum beeinflußt von seinen internen Verarbeitungsprozessen, den sogenannten "Programmen". Diese individuelle innere Verarbeitung und Bewertung wirkt sich weiter aus auf seine körperlichen Reaktionen und sein gesamtes Verhalten. Wer zum Beispiel gelernt hat "Es ist nicht richtig, seine Gefühle zu zeigen!", der wird sich in Konfliktsituationen eher zusammennehmen, seine Gefühle nach außen hin unterdrücken und vielleicht im Stillen vor Wut kochen - bis sich diese permanent unterdrückte Energie einen Ausweg in psychosomatischen Beschwerden sucht.
Gehen wir bei unserem Beispiel einen Schritt weiter und betrachten wir die "linguistische" Komponente. Wenn wir den Vater bitten würden, uns die Gedanken zu nennen, die ihm durch den Kopf gehen, würde er in etwa sagen: "Das darf doch nicht wahr sein - dieser Bericht war brandeilig - ich muß ihn morgen abgeben. Das gibt eine Katastrophe - mein Chef zerreißt mich in der Luft! Was hat sich der Kleine denn dabei nur gedacht? Dem muß ich aber mal gehörig den Kopf waschen!" Soweit die "inneren Dialoge". Sie sind natürlich begleitet von entsprechend starken Gefühlen, wie wir vorhin bereits gesehen haben. Die dazugehörigen physiologischen Veränderungen haben wiederum direkte Auswirkungen auf sein äußeres Verhalten, sei es bewußt oder unbewußt. Er wird schimpfen, lauter reden, sich schneller bewegen, vielleicht auf den Tisch hauen - hier gibt es zahlreiche denkbare Varianten.
Soweit zu den "neurolinguistischen Programmen" dieses Vaters. NLP bietet aber weit mehr als bloße Beschreibungsmöglichkeiten dieser Zusammenhänge. Die zentrale Frage lautet ja: Wie kann man mit solchen und anderen belastenden Erfahrungen umgehen? Sind wir unseren "Programmen" ausgeliefert, weil wir es nun einmal so gelernt haben, oder können wir die Strukturen unserer internen Verarbeitung aktiv beeinflussen und verändern? Können wir als Eltern dazu beitragen, daß unsere Kinder eine sinnvolle Verarbeitung und Bewertung ihrer eigenen Erfahrungen aufbauen können?
Diese Fragen möchte ich an dieser Stelle noch offenlassen - in den einzelnen Kapiteln dieses Buches wird es genau darum gehen, Antworten darauf zu geben. Behalten Sie deshalb die Fragen beim Lesen immer ein bißchen im Hinterkopf, um dann am Ende des Buches Ihre persönliche Antwort (und nur die ist für Sie relevant) zu finden.
Was ist Erziehung?
Die Grundannahmen des NLP beschreiben den Menschen als einzigartig, wertvoll, und lernfähig. Diese Sichtweise legt den Grundstein zu einer liebevollen Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Die Eltern wollen den Kindern weniger etwas beibringen als ihnen vielmehr helfen, sich eigenständig und unabhängig zu verantwortungsvollen, selbständigen Menschen zu entwickeln. Die Frage ist nicht: "Was kann ich mit meinem Kind tun, damit es sich verändert?" sondern vielmehr: "Was kann ich mit mir und für mich tun, damit ich so mit meinem Kind umgehen kann, wie es für uns beide angemessen ist?" Erst danach stellt sich die Frage "Was kann ich für mein Kind tun?".
Probleme werden nicht einseitig negativ betrachtet sondern gemeinsam als Entwicklungsaufgaben gelöst. Sie betreffen Eltern und Kinder in gleichem Maß, denn beide sind Partner auf diesem Weg.
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