Mama, die Schule nervt mich!

Wie Eltern ihren Kindern und sich selbst mit NLP helfen können

von Daniela Blickhan, Isolde Seidel

zum Buch

Hilfe bei Schul- und Lernschwierigkeiten - leicht verständlich und praxisnah.

Herder, 1999 (leider vergriffen!)
Ziele dieses Buches:

  • neue Wege zeigen, um eingefahrene Problemsituationen zu lösen
  • gestressten Eltern Handwerkszeug vermitteln, wie sie Ihre Kinder im Schulalltag unterstützen können
  • Selbsthilfe für Kinder

Das Buchs wird lebendig durch viele Fallbeispiele und ist ausgesprochen praxisnah durch Übungen, Tips und Anwendungsmöglichkeiten im Alltag.

Inhalt

Daniela Blickhan: Grundlagen des (Schul-)Erfolgs:

  1. "Ich hab keine Lust!" - Motivation im Familienalltag
  2. "Was soll ich denn machen?" - Wie Sie Ziele klären und erreichen
  3. "Mama, das verstehst Du nicht!" - Erfolgreiche Kommunikation: Wie Eltern und Kinder sich besser verstehen
  4. "Ich fühle mich so hilflos!" – Auch Eltern waren einmal Schüler


Isolde Seidel: Hilfen für den Schulalltag :

  1. Schritte in die Praxis – Anna Anders stellt sich vor
  2. Hausaufgaben und Lernen – Ein Nachmittag mit Anna Anders
  3. Effektive Prüfungsvorbereitung - Anna, die Zauberfee und eine Nachschrift
  4. In Prüfungen cool und gelassen sein - Wie es Anna bei der Nachschrift erging
  5. Zu guter Letzt - Neues von Anna und der Zauberfee

Leseprobe

"Ich hab keine Lust!"

Motivation im Familienalltag

Warum beginnt dieses Buch, in dem es um die erfolgreiche Bewältigung von Schwierigkeiten rund um die Schule geht, mit dem Thema Motivation?

Motivation ist eines der Schlagworte unserer Zeit. Eltern wollen ihre Kinder dazu motivieren, daß sie Erfolg in der Schule haben und so ihren späteren Lebensweg auf ein solides Fundament stellen. Lehrer versuchen, Schüler zu besserer Leistung zu motivieren. Und doch wird andererseits immer wieder über die mangelnde Motivation einer ganzen Generation geklagt: Die "Null Bock"-Haltung der heutigen Jugend wird als gesellschaftliches Problem der neunziger Jahre diskutiert. Welchen Stellenwert hat Motivation im Bereich Familie und Schule? Wie können wir als Eltern einer "Null Bock"-Haltung bei unseren Kindern vorbeugen? Wer motiviert eigentlich wen? Wie können wir unsere Kinder dabei unterstützen, dass sie sich zu eigenverantwortlichen und selbst-motivierten Menschen entwickeln?

Motivation - was ist das eigentlich?

Nehmen wir den typischen Fall, daß ein Kind seine Hausaufgaben wenn überhaupt, dann lustlos erledigt, nicht lernt und Schule insgesamt als lästiges Problem betrachtet. In dieser Familie wird Schule bald zum Reizthema und zum Anlaß vieler aufreibender Auseinandersetzungen. Vielleicht fühlt sich die Mutter mitverantwortlich für die Einstellung ihres Kindes und setzt sich tagtäglich bei den Hausaufgaben dazu, treibt an, bittet, schimpft - und die Negativ-Spirale dreht sich jeden Tag weiter.

Wenn man das Kind fragen würde, was es denn von Hausaufgaben und Schule hält, bekäme man als Antwort etwa folgendes: "Gar nix – aber man muss es halt machen." Das Kind möchte also die lästige Pflicht möglichst schnell hinter sich bringen. Sie merken vielleicht schon, worauf es hinausläuft, dieses Verständnis von Motivation als treibende Kraft weg von etwas, das wir nicht wollen: Dadurch ist das Kind sozusagen auf der Flucht vor dem Negativen - doch wie wird sich das Kind dabei fühlen? Es wird wohl kaum mit Freude und innerer Beteiligung an der Arbeit sein.

Läßt sich also gar nichts tun, um ein Kind dabei zu unterstützen, daß es motiviert und mit Freude den Schulalltag meistert? Doch: Möglichkeiten gibt es eine ganze Menge, wenn wir nur unseren Blickwinkel ein wenig verändern. Motivation ist wesentlich mehr als "Weg vom Negativen". Neuere Ansätze, die uns praktische Möglichkeiten auch im Alltag eröffnen, verstehen Motivation im Zusammenhang mit Zielen und Interessen. Nicht das negativ Erlebte treibt uns weg, sondern das Ziel zieht uns an. Auf dieser Grundlage bekommen Ziele und Anreize eine wichtige Bedeutung, denn sie haben direkt mit persönlichen Interessen zu tun.

Und hier kommen wir direkt wieder beim Thema Schule an: Nehmen wir das Beispiel eines "Null Bock-Schülers": Er hat keine Lust und verweigert sich. Antreiben wird in seinem Fall wenig erfolgsversprechend sein, denn es verstärkt seine ablehnende Haltung nur noch mehr. Für alle Beteiligten sinnvoller ist es, den Schüler dabei zu unterstützen, daß er lernt, seine eigenen Ziele zu finden. Wenn er diese erkennt und Schritt für Schritt verfolgt, geht es für ihn plötzlich um wesentlich mehr als nur "die doofe Schule, die ja doch keinen Spaß macht". Ein Erstklässler, der keine Lust zum Lesenlernen hat, sieht die vielen fremden Buchstaben vielleicht in einem anderen Licht, wenn er zum Beispiel den Einkaufszettel für das Wochenende oder für ein Kinderfest schreiben darf. Wenn er bereits lesen kann, könnte er sich auch einmal selbst das Fernsehprogramm vornehmen und eine Wunschliste mit Sendungen schreiben, die er in der nächsten Woche anschauen möchte (natürlich in Abstimmung der zeitlichen Dauer mit den Eltern...) Unsere Kinder sind oft so gefangen im engen Rahmen der Schule, die ja "sowieso doof" ist, daß sie den eigentlichen Sinn und Zweck des Lernens aus den Augen verlieren. Mit kleinen praktischen Brücken zwischen Schulinhalt und Alltag können wir ihnen das Schüler-Leben erleichtern. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels werden wir uns immer wieder genau mit diesen praktischen Anwendungen beschäftigen. Vielleicht haben Sie ja jetzt bereits eine Idee, wie Sie ihr Kind dabei unterstützen können, seinen eigenen Sinn im einen oder anderen Lerninhalt zu finden?

Motivation - unser innerer Entwicklungs-Motor

Motivation ist eine der Grundlagen, die uns bereits in die Wiege gelegt sind, denn die Fähigkeit, daß wir uns immer weiterentwickeln wollen, ist uns angeboren. Bei Kindern wird das besonders deutlich sichtbar. Die Energie selbst und der Wunsch nach Weiterentwicklung ist in den Kindern bereits von Geburt an da. Das Laufen oder Sprechen zum Beispiel muß man keinem Kind beibringen, denn der Antrieb zu diesen und anderen umfassenden Entwicklungsschritten liegt ausschließlich im Kind selbst. Eltern können diese natürliche Entwicklung auf zweierlei Weise unterstützen: Einerseits können sie ihren Kindern Schritt für Schritt dabei helfen, daß sie lernen, ihre eigene, natürliche Energie zu kanalisieren und sinnvoll einzusetzen. Andererseits - und das ist nicht zu unterschätzen - ist wichtig, daß Eltern ihren Kindern nicht im Weg stehen. "Laß das mal lieber, dazu bist du noch zu klein!" "Vorsicht, daß dir nichts passiert!" "Das kannst du doch noch nicht, laß mich das mal machen - dann geht es auch schneller!" Sätze, die wir immer wieder von Erwachsenen hören, die es sicher gut mit dem Kind meinen. Doch welche Wirkung haben solche Botschaften auf das Kind? Wenn sie regelmäßig wiederkommen, bremsen sie Entdeckungsfreude, Neugier, und damit die Urform der Motivation. Sicher gibt es Situationen, in denen es höchst angemessen ist, Entdeckungsfreude zu bremsen - speziell im Straßenverkehr, bei Elektrizität, Feuer oder ähnlich "brenzligen" Situationen. Doch überlegen Sie einmal, wie oft Sie solche "Bremser-Sätze" aus Gewohnheit, Bequemlichkeit oder Gedankenlosigkeit aussprechen - und fragen Sie sich ehrlich: War das jetzt wirklich nötig? Oder ginge es auch anders?

Die große Chance im Leben mit Kindern ist, daß wir Erwachsenen wieder lernen können, was Motivation eigentlich ist. Ein Kind, das mit Hingabe Steine sammelt, und in jedem Straßenkiesel einen Edelstein sieht, tut das aus "Spaß an der Freude" und ist mit ganzem Herzen dabei. Dieses "Aufgehen im Augenblick" würde auch uns Erwachsenen wohltun. Die Psychologie hat einen eigenen Namen dafür gefunden: das Flow-Gefühl, in dem wir die Zeit vergessen und ganz aufgehen, in dem was wir tun. Von Kindern können wir das täglich lernen.

Viele Entwicklungsprozesse laufen also von selbst, wenn ihnen dazu Raum gegeben wird. Laufenlernen, Sprechenlernen, Autonomie und Ablösung von den Eltern - der Antrieb für diese Prozesse kommt aus dem Kind selbst. Es ist kein Anstoß von außen notwendig. Denken Sie zum Beispiel an ein Kind, das gerade laufen lernt. Als Erwachsene müssen wir seine Ausdauer und Energie einfach bewundern. Das Kind steht auf, schwankend zwar, doch es steht. Dann macht es einen vorsichtigen Schritt - und fällt um, weil es das Gleichgewicht verloren hat. Wie viele solcher Versuche würden wir Erwachsene machen, bevor wir müde werden oder erst einmal aufhören wollten? Kinder sind hier wirklich unermüdlich. Das kleine Kind, das laufen lernt, fällt unzählige Male hin und rappelt sich doch sofort wieder auf, um es gleich noch einmal zu probieren. Vielleicht klappt es ja diesmal, und das Kind bleibt auf seinen wackeligen Beinen stehen? Und wenn es dann geschafft ist, leuchten die Augen. Das Kind ist stolz auf sich und seinen Erfolg.

Allerdings läuft nicht die gesamte kindliche Entwicklung so "automatisch" ab. Ausgerechnet die Motivation zu so praktischen und vernünftigen Dingen wie tägliches pünktliches Aufstehen oder zur regelmäßigen und sorgfältigen Erledigung der Hausaufgaben scheint nicht angeboren zu sein - zum Leidwesen vieler Eltern und Lehrer!

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