Die Mosaiksteine des Gelingens

Am eigenen Erfolg lernen

Besondere Zeiten brauchen neue Ressourcen. Hier ist ein Coaching-Tool, das ich vor einigen Wochen entwickelt habe. Es geht darum, wie das eigene Leben Ressourcen und Strategien bietet, mit Veränderungen umzugehen: NLP jenseits der Formate.

Eines Abends kommt eine junge Frau zu mir zum (Telefon-)Coaching. Sie wird in den nächsten Tagen ihr Staatsexamen zur Ergotherapeutin ablegen. Nun ist so eine Reihe von Prüfungen ohnehin eine spannende Angelegenheit. Um ein Vielfaches mehr wird es in der aktuellen Situation zum Abenteuer.

In unserem Vorgespräch hat sie von den Sorgen vor einem „Totalausfall“ während der Prüfung berichtet. Andererseits hat sie die bisherigen 3 Jahre der Ausbildung gut bestanden und auch ihre Schulzeit und den Führerschein und, und, und.

Schnell wird deutlich, worum es hier geht. Einerseits gibt es in uns die Sorge vor Situationen, in denen wir nicht wissen, wie wir sie bewältigen werden. Andererseits gibt es unendlich viele Herausforderungen, die wir schon gemeistert haben. Und wie so oft gibt dieser vermeintliche Gegensatz uns die Gelegenheit zu wählen, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Mehr noch: Es eröffnet sich die Chance, aus den bisherigen Lösungen und Erfahrungen zu lernen um sie für aktuelle Herausforderungen zu nutzen.

 

NLP ist aus dem „Modellieren menschlicher Exzellenz“ entstanden.

Dass wir im Laufe unseres Lebens über „Modelle“ (Vorbilder) in unserer Umgebung lernen, ist eine grundlegende Fähigkeit, die Menschen besitzen. Das Nachahmen, Übernehmen und Integrieren von neuen Verhaltensweisen und die daraus gewonnen Einsichten ist eine der wichtigsten Lernformen, insbesondere in jungen Jahren. Dabei passiert vieles unbemerkt und ohne eine bewusste Reflexion.

Besonders deutlich wird das beim Spracherwerb. Neben dem Wortschatz lernen wir ja auch noch die Regeln, Betonungen, Sprachfärbung, Dialekt und die Verwendung von Sprichworten oder Metaphern sowie deren besondere Bedeutung im eigenen sozialen Kontext. Später kommt es einem dann oft vor, als hätte man das „einfach so“ gelernt.

Robert Dilts spricht in dem Zusammenhang von dem Erwerb einer „unbewussten Kompetenz“. Ein anderer Begriff dafür ist „implizites Handlungswissen“: Wir wissen, wie etwas geht, ohne dass wir wissen, wie es geht.

Als Beispiel verwende ich im Kurs die Idee: “Versucht mal eine schriftliche Anweisung für das Schleife-Binden zu entwickeln“. Ihr könnt es, ihr wisst wie es geht! Aber wie genau geht es denn? Wie soll ich das so beschreiben, dass ich es vermitteln kann?

 

Nun findet der Prozess des „Lernens am Modell“ eher unbewusst statt. Im NLP geht es aber darum, diesen Prozess bewusst zu machen um ihn zielführend anwenden zu können.

In dem Zusammenhang macht es Sinn, sich speziell den Begriff der „menschlichen Exzellenz“ einmal genauer anzuschauen. Wer fällt einem da ein? Sind es Künstler, Sportler, Politiker, der Dalai-Lama?

 

Es gibt jemanden, der in dem Zusammenhang für mich ein besonderes Modell ist - in zweierlei Hinsicht - Nelson Mandela.

Zum einen als jemand, der nach vielen Jahren in scheinbar aussichtsloser Gefangenschaft eine unglaubliche Größe gezeigt hat, indem er nach seiner Freilassung einen Friedensprozess anstieß. Zum anderen, wenn er davon spricht, welche Größe und Fähigkeiten uns allen innewohnt.

Bei seinem Antritt als erster schwarzer Präsident Südafrikas hat er eine Rede gehalten, die ich häufig auch im Kurskontext verwende:

Jeder Mensch ist dazu bestimmt zu leuchten! Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind, unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus zu kraftvoll zu sein.

… wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen? Aber wer bist du, dich nicht so zu nennen…?

 

Was wäre, wenn wir diese Art von Exzellenz einen Moment in uns entdecken – und damit auch all die Ressourcen in uns? Das gibt dann die Möglichkeit, uns selbst als Modell für das Gelingen zu nutzen!

Und das schönste dabei ist, dass es ja schon gelungen ist – wir haben die Erfahrung schon gemacht, auf die wir zurückblicken.

 

Mit all dem im Hinterkopf kommen wir ganz zurück zum Anfang und der jungen Frau mit der Sorge vor der Examensprüfung.

Ich habe ihr vor der ersten Coachingstunde zwei Aufgaben gegeben:

  1. Schreib mal die verschiedenen Prüfungen auf, die du bestanden hast.
    Dabei ist es nicht wichtig, dass es „Prüfungen“ im engeren Sinne sind. Es sind auch solche Situationen gemeint, bei denen du eine Herausforderung gemeistert hast.
    Versetze dich in die Situation, als dir klar wurde, dass es gelungen ist. Mit allen Sinnen: Was sieht, hörst, was spürst du, was nimmst du wahr?
    Such dir jemanden dem du davon erzählen kannst, der mit dir zusammen diese Erfolge nochmal feiert.
     
  2. Versetz dich in die Zeit vor dem Erfolg.
  • Was hast du konkret getan?
  • Was war hilfreich, was hat dich unterstützt?
  • Mit welcher Haltung hast du dich dem gestellt?
  • Was wolltest du erreichen?
  • Wofür war dir das wichtig?

Dies alles hilft, sich der verschiedenen Mosaiksteine des Erfolges bewusst zu werden (und das natürlich nicht nur für Staatsexamen!)

Diese Art der bewussten Reflexion in Verbindung mit dem inneren Erleben des Erfolges macht es möglich, den Blick auf das eigene Gelingen zu lenken und die Strategie dahinter zu entdecken.

 

Wie war das doch gleich mit dem Licht und den Stärken in uns?

Für den Coachingprozess hat es eine bedeutende Wende gebracht und allein die Freude darüber, zu entdecken was alles bisher schon gelungen ist, hat eine deutliche Veränderung bewirkt.

 

Ich möchte mit diesem Text und meinen Gedanken dazu anregen, diese Art der Orientierung am eigenen Gelingen und dem Entdecken der Stärken und Ressourcen mehr in den Vordergrund zu stellen. Es gibt im Moment genügend Angebote in der Welt, die in eine ganz andere Richtung lenken, die Fragen aufwerfen und unsicher machen. Diese Gedanken und inneren Bilder brauchen keine besondere Aufmerksamkeit – sie haben die Fähigkeit sich von allein in den Vordergrund zu drängen.

Umso mehr geht es darum die Wahlmöglichkeit (eines meiner Lieblingswörter im NLP!) zu nutzen und bei all dem zu entdecken welches „Licht in uns“ liegt und wie wir dieses für die aktuelle Situation nutzen können.

Übrigens ist es gar nicht immer notwendig, dass man diese Fragen im Coaching-Kontext verwendet. Es gibt vielleicht ganz in der Nähe Menschen, denen es auch gut tut, so auf sich und die eigenen Möglichkeiten zu schauen … im Zweifel man selbst!

Mosaiksteine

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