Wie Training einen Coach verändert

Gastbeitrag von Dr Robert Biswas-Diener

Vor kurzem hörte ich, wie ein erfahrener Coach einem Coach-Neuling einige Tipps mit auf den Weg gab. Da das im Rahmen eines Coaching-Trainings stattfand, erwartete ich eigentlich eher „technische“ Tipps vom erfahrenen Coach, z.B. etwas über Zeitmanagement, Preisstrukturen, Marketing oder wie man bessere Fragen stellt.

 

Stattdessen sagte sie ihm jedoch folgendes:


„Ab hier gibt es kein Zurück mehr. Wenn du dich einmal mit Coaching beschäftigt hast, sieht die ganze Welt anders aus. Du beginnst mehr auf Sprache zu achten. Du erkennst Potentiale und Möglichkeiten überall um dich herum. Du startest ein Leben des Zuhörens, Reflektierens und Planens.“

 

Ich dachte eigentlich, dass sich nur eine bestimmte Art von Menschen sich vom Coaching angezogen fühlt:  optimistische, extrovertierte und positiv eingestellte Menschen. Und wenn auch an dieser Idee etwas Wahres dran sein mag, leuchtet mir jetzt ein, dass alleine der Prozess des Lernens über Coaching einen Menschen verändert. Das hat mich neugierig gemacht.

 

Wie verändert es Menschen, wenn sie etwas über Coaching lernen?

 

Potential

Ich bin und war noch nie jemand, der an unbegrenzte Möglichkeiten glaubt. Ich glaube nämlich nicht, dass jeder Mensch in allem sehr gut sein kann. Ich bin davon überzeugt, dass Entwicklung möglich ist, doch genauso überzeugt bin ich auch, dass es bei Talenten und Fähigkeiten echte Unterschiede gibt.

Coaching hat mich folgendes gelehrt:

Die meisten Menschen sind zu wesentlich mehr in der Lage, als sie sich selber zutrauen. Ich nenne dieses Phänomen „Du + 1“. Das bedeutet: Was auch immer du glaubst zu können, ich glaube, du kannst es noch um einen Punkt (+ 1) besser machen. Wenn du glaubst, einen Halbmarathon laufen zu können, dann glaube ich, dass du höchstwahrscheinlich noch einen zusätzlichen Kilometer laufen kannst. Wenn du glaubst, dass du eine Fremdsprache lernen kannst, glaube ich, dass du vermutlich zwei lernen kannst. In meiner Erfahrung hilft meine nur leicht gesteigerte Erwartung meinen Klienten über sich hinauszuwachsen.

 

Prozess

Wir leben in einer erfolgsorientierten Welt – einer Welt, in der viele Menschen das Verlangen nach Geld haben und sich materiellen Komfort wünschen. Wir setzen uns Ziele und planen für die Zukunft. Aber all die Aufmerksamkeit, die wir auf diese Ziellinie richten, kann uns manchmal vom Leben selbst ablenken.

Meine Coaching-Erfahrung hat meine Aufmerksamkeit umgelenkt: weg vom Endergebnis und hin zum Prozess. Mir gefällt es zu sehen, wie meine Arbeit sich entfaltet und es macht mir Freude über den Prozess zu reflektieren und – wenn nötig – Änderungen vorzunehmen. Heute ist es wahrscheinlicher, dass ich „Experimente“ entwerfe als dass ich „Ziele plane“. Das ermöglicht es mir aus Feedback zu lernen, meinen Kurs zu korrigieren und jeden Schritt in die Zukunft zu genießen, wie auch immer diese aussieht.

 

Ursachen

Viele Menschen, mit denen ich zu tun habe, sind überrascht, wenn ich erwähne, dass ich mich nicht wirklich für Ursachen interessiere. Es stimmt: Es interessiert mich nicht besonders, wie die Dinge entstanden sind. Es interessiert mich viel mehr, wohin die Reise weitergeht und wie die nächsten Schritte hin zu einer erstrebenswerten Zukunft sind. Mich interessiert es zum Beispiel nicht sonderlich, wo ich mich mit meiner Grippe angesteckt habt, ich möchte nur wissen, was ich jetzt tun kann, um schnell wieder gesund zu werden. Genauso ist es mir egal, warum ich Höhenangst habe. Es ist absolut unwichtig für mich, ob sie evolutionär bedingt ist, ob sie von einem Kindheitstrauma stammt oder ob ich sie mir von Vorbildern abgeschaut habe. Ich beschäftige mich lieber mit der Frage, was meine Höhenangst in meinem jetzigen Leben für eine Bedeutung hat und wie ich mit ihr umgehen kann.

Die Haltung entspricht nicht der Auffassung, dass Menschen zuerst die Ursachen ihrer Themen verstehen müssen, um sich dann mit Lösungen beschäftigen zu können. Meine Coachingklienten sind daher regelmäßig überrascht und anschließend begeistert, wenn sie mitbekommen, dass sie den ersten Schritt (der Ursachenforschung) meist überspringen können.

 

Ich hoffe, diese Ideen bieten Ihnen Stoff zum Nachdenken. Ich habe nicht den Anspruch, dass Sie meine Weltansichten teilen oder mir zustimmen müssen. Doch ich lade Sie herzlich zu unserem Coaching-Workshop im Juni in Bad Aibling ein, um über diese Themen mit anderen zu sprechen, nachzudenken und sich auszuprobieren.

 

https://www.inntal-institut.de/pp/positive-psychology-coaching-Biswas-Diener

 

Sind Sie neugierig, ob Sie auch solche Veränderungen erleben werden, wie ich sie beschrieben habe?

Finden Sie es heraus und melden Sie sich an. Ich freue mich auf unseren Workshop!

 

Herzliche Grüße

Dr. Robert Biswas-Diener

Robert Biswas-Diener, Positive Psychology Coach

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