Was kann Coaching – nicht?

Coaching-Einblicke von Daniela Blickhan

„Entweder halte ich das weiter aus – oder ich gestehe mir in Kürze ein, dass ich es nicht geschafft habe.“

Das war die Antwort meiner Klientin im Erstgespräch, als ich sie fragte, was das bestmögliche Ergebnis unserer Zusammenarbeit sein könnte.

Das Problem dabei? In beiden Fällen würde ihr Selbstwert leiden: Entweder würde sie sich selbst verleugnen („Ich ertrage es weiter“) oder sie würde es als persönliches Versagen interpretieren (“Ich habe es nicht geschafft.“)

In unseren Coaching‑Ausbildungen ist Auftragsklärung ein Kernelement. Und in geschätzt drei Vierteln hängt die Problematik, wegen der eine Person einen Fall in unsere Online-Supervision einbringt, mit einer unvollständigen Auftragsklärung zusammen.

Während des Gesprächs mit der Klientin ging mir immer wieder die Frage durch den Kopf: Was kann Coaching hier eigentlich leisten – und was auch nicht?

Die Situation meiner Klientin 

Sie ist eine beruflich erfolgreiche, erfahrene Frau Anfang 50, arbeitet direkt unter der Geschäftsleitung und verfügt über große soziale und fachliche Kompetenz.

Im letzten Jahr bekam sie eine neue Stelle im Unternehmen und damit einen neuen Vorgesetzten, der ganz oben in der „Nahrungskette“ steht. Dieser Mann agiert – sagen wir – sozial ziemlich unausgewogen. Er fordert extrem viel, zu viel, vergreift sich im Ton, ist launenhaft und unberechenbar.

Zitat meiner Klientin: „Man weiß nie, wie die Meetings laufen. Wenn er einen guten Tag hat, kann es anfangs ganz gut sein – aber es kann auch jederzeit kippen. Und wenn er einen schlechten Tag hat, ist es von vornherein eine Katastrophe. Beim Gedanken an ein Metting mit ihm schnürt sich mir der Magen zu“

Was Coaching nicht leisten kann

Ich habe Erfahrung im Coaching und traue mir zu, verfahrene Situationen zu begleiten und Menschen zu unterstützen, dabei ihre beste Option zu finden und umzusetzen. Doch in diesem Fall habe ich der Klientin klar gesagt, dass wir das Thema nicht allein im 1:1-Coaching lösen können.

Das Problem liegt nämlich nicht individuell bei der Klientin, sondern in einer strukturelle Ungerechtigkeit: Die hierarchisch höher gestellte Person behandelt ihre Mitarbeiterin nicht wertschätzend, kritisiert sie regelmäßig vor anderen, demontiert sie fachlich und persönlich.

Die Klientin befindet sich in einer Mobbing-Situation und steht kurz vor einem Burnout. „Ich bin eigentlich ein lebensfroher Mensch, aber im Moment weiß ich nicht mehr, worüber ich mich freuen könnte.“ Wochenende, Feiertage oder Urlaub bringen kurzzeitig Entlastung, doch sobald sie an den nächsten Arbeitstag denkt, kommt das bedrückende Gefühl zurück.

Was wir im Coaching erreichen können

Wir haben unseren nächsten Termin für nächste Woche vereinbart und wollen dann einen „Plan C“ ins Auge fassen – einen Weg, der weder Ertragen noch Versagen bedeutet.

Es ist der Klientin sehr klar, dass sie ihren Vorgesetzten nicht ändern kann. „Das haben schon andere vergeblich versucht.“ Abwarten, bis er geht, ist auch keine Lösung, denn er ist jünger als meine Klientin und sie arbeitet in einer Branche, in der man nicht mal eben die Stelle wechselt.

Also wird es darum gehen, dass sie für sich entscheidet, was ihr wichtig ist, was sie ertragen will und was nicht. Auch wenn das bedeutet, eine Stelle, die sie erst vor wenigen Monaten angetreten hat, wieder zu verlassen.

Wann es klare Worte braucht 

Die Klientin hat sich am Ende der Stunde ausdrücklich für meine klaren Worte bedankt, mit denen ich ihr die Situation gespiegelt habe.

Ich fragte sie, ob ich an irgendeiner Stelle übertrieben hätte. Sie verneinte: „Es hat mir sehr geholfen, dass jemand so klar beschreibt, in welcher Situation ich mich befinde.“

Auch das ist Coaching: Benennen, was ist – statt ein Pflaster des Reframings darüber zu kleben.

Ich bin sehr gespannt auf unser nächstes Gespräch.

Coaching-Einblicke

Hier teile ich Erfahrungen aus meiner Coaching-Praxis, um Coaches zu unterstützen, neue Perspektiven zu entwickeln. 

Lebenslanges Lernen gilt für unsere Profession ganz besonders – und oft hilft ein kurzer Gedanke, der die eigene Perspektive erweitert, als Coach die eigene Praxis neu zu beleuchten und wieder neue Wege auszuprobieren.

Wenn du mehr davon möchtest, schau vorbei bei meiner Coaching-Masterclass oder in unseren Online-Supervisionen

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