Ich bin kein Methodenkoffer

..und Coaching ist mehr als ein Werkzeugkasten

Im Coaching ist gern vom „Werkzeugkasten“ die Rede: die passende Frage, das passende Format, die passende Intervention, jeweils zur passenden Zeit. Das Bild ist eingängig, und zum Teil auch zutreffend, denn Methoden sind wichtig, und eine fundierte Coachingausbildung wird sie selbstverständlich auch vermitteln.

Doch wenn Coaching nur darin bestünde, den „Schraubenschlüssel der passenden Größe“ zu finden und anzusetzen, dann hätten wir Coaches inzwischen ernstzunehmende Konkurrenz. Denn gute Fragen stellen, das kann heute auch eine KI.

Warum gutes Coaching mehr umfasst als die richtige Frage zur richtigen Zeit zu stellen, und was das für unsere Coachingausbildung am INNTAL bedeutet, darum geht es in diesem Beitrag.

Was KI kann und was nicht

Ich nutze selbst KI-Tools wie Claude, Copilot oder ChatGPT, und ich finde sie als Sparringspartner interessant und hilfreich. Sie können dabei unterstützen, ein Thema von mehreren Seiten zu beleuchten, seine Facetten zu analysieren und neue Lösungswege gedanklich durchzuspielen. Auf der kognitiven Ebene leisten sie Beachtliches.

Die entscheidende Frage kommt aber danach: Wie wird aus einem vorgestellten Lösungsweg tatsächlich ein anderes Verhalten?

Spoiler alert: Es hängt nicht davon ab, wie gut der Lösungsweg ist.

Einsicht ist nicht gleich Veränderung

In der Psychotherapieforschung ist seit Jahrzehnten bekannt, dass Einsicht allein noch keine Verhaltensänderung bewirkt. Viele Menschen – wir selbst eingeschlossen – wissen nämlich sehr genau, was ihnen guttun würde, und tun es aber trotzdem nicht. Das ist kein Zeichen von Schwäche oder Faulheit; es ist zutiefst menschlich.

Im Coaching begleiten wir Menschen beim Wachsen, und das umfasst oft auch „Wachstumsschmerzen“: Unsicherheit, Ambivalenz, das Verlassen von dem, was uns so vertraut ist. Um sich in dieses Terrain zu wagen, brauchen wir Menschen (genauer gesagt: unsere Gehirne) ein menschliches Gegenüber. Und das gilt im wörtlichen wie im übertragenen Sinn: wir brauchen dann einen Menschen, der bei uns ist, und uns spürbar zur Seite steht.

Warum das so ist, dafür können wir uns empirische Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie abholen. Barbara Fredrickson liefert mit ihrer Broaden-and-Build-Theorie dafür eine schöne Erklärung: Wenn wir uns sicher und verbunden fühlen, weitet sich unser Denken und Handeln. Wir werden neugieriger, mutiger und offener für Neues. Eine vertrauensvolle Beziehung ist also nicht einfach ein netter Rahmen für das „eigentliche“ Coaching. Sie ist die Grundlage dafür, dass Wachstum überhaupt möglich wird.

Das wirksamste Werkzeug ist der Coach selbst

Im Coaching ist deshalb in den entscheidenden Momenten mehr als ein gutes Tool gefragt. Es braucht dann einen Menschen, der mitgeht, sich einfühlen kann und merkt, wann gerade Ermutigung dran ist und wann Ruhe.

Menschen beim Wachsen zu begleiten basiert immer auf einer vertrauensvollen und tragfähigen Beziehung. Und das wirksamste „Werkzeug“ ist dabei der Coach selbst. Genauer gesagt:

  • die eigene Präsenz und emotionale Haltefähigkeit, also die Fähigkeit, auch Unsicherheit und schwierige Gefühle mit auszuhalten,
  • die eigene Kongruenz und Glaubwürdigkeit, also das Zusammenspiel von dem, was ich sage, und dem, wie ich bin,
  • und die Bereitschaft, sich auf einen Menschen wirklich einzulassen.

Das lässt sich nicht aus einem Werkzeugkoffer holen, sondern es ist eine zutiefst menschliche Kompetenz, die wir intuitiv einsetzen, wenn wir einen geliebten Menschen unterstützen wollen. Diese Fähigkeit haben betreits Krabbelkinder; sie ist uns in die Wiege gelegt. Und als Coaches können wir sie durch glaubwürdige Vorbilder, eigene Erfahrung und ehrliche Reflexion verfeinern.

Warum ich am INNTAL unsere Coaches persönlich zertifiziere

Genau deshalb ist es mein Herzensanliegen, Coaches so auszubilden, dass sie mehr sind, als es eine KI je sein könnte. Und deshalb zertifiziere ich die Menschen, die bei uns ihre Coachingausbildung mit Schwerpunkt Positive Psychologie und Systemik abschließen, persönlich.

Vergangene Woche habe ich zwei Zertifizierungsseminare geleitet. Ich habe alle Absolvent*innen als Coaches erlebt und jeder und jedem persönlich ein differenziertes Feedback gegeben. Das sind für mich immer besonders berührende Stunden, wenn ich sehe, wie Menschen, die ich über viele Monate begleitet habe, am Ende ihrer Ausbildungsreise ihren ganz eigenen, glaubwürdigen, authentischen Stil als Coach gefunden haben.

Ja klar, das kostet Zeit. Mit Assistenztrainer*innen ginge es natürlich deutlich effizienter. Doch Qualitätssicherung gestalten wir am INNTAL nicht nur über Feedbackbögen, sondern über die konkrete Betrachtung der Coachingkompetenz und der persönlichen Kongruenz unserer Absolvent*innen. Denn wir Coaches sind keine Methodenkoffer.

Neugierig geworden?

Wenn du gerade überlegst, eine Coachingausbildung zu beginnen, dann komm gern zu einem unserer Online-Infoabende. Am 07.10. gibt es einen Abend speziell zur Coachingausbildung. Dort stelle ich dir nicht nur unsere Ausbildung vor, sondern lasse dich auch dahinter schauen:

  • Warum verbinden wir mehrere kraftvolle Methoden?
  • Wie ergänzen sie sich im Coaching?
  • Und was bringt die Positive Psychologie als Mehrwert dazu?

Online-Infoabende und Anmeldung

Übersicht aller INNTAL-Coachingausbildungen (modular)

Arbeitest du bereits als Coach und möchtest deine Coachingkompetenz weiter vertiefen?

Coaching-Masterclass: zwei intensive Tage mit mir, am 08.–09.10. oder am 28.–29.01. in Bad Aibling.

Coaching-Skills: ab dem 17.11. in Bad Aibling.

Ich freue mich auf dich!

Herzliche Grüße

Daniela

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