Zwischen krank und gesund liegt mehr, als wir denken

Ein neues Seminar für Menschen mit chronischen Erkrankungen

Es gibt krank, und es gibt gesund. Dazwischen scheint nichts zu sein. Wer chronisch erkrankt ist, landet in einer Schublade, aus der es kaum ein Herauskommen gibt, und übernimmt diese Sicht mit der Zeit oft selbst.

Dabei ist Gesundheit ein Spektrum. Corey Keyes hat das in seinem Zwei-Kontinua-Modell beschrieben: Seelische Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit, und Wohlbefinden ist eine eigene Dimension. Man kann eine Diagnose haben und trotzdem aufblühen. Und man kann körperlich gesund sein und trotzdem verkümmern.

Was heißt das für den Alltag?

Ermutigend ist die wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, dass sich Wohlbefinden fördern lässt, auch wenn eine Erkrankung besteht oder bleibt. Wo wir uns auf diesem Spektrum „krank – gesund“ gerade befinden, können wir oft nicht direkt steuern. Wie wir damit umgehen, das können wir aber sehr wohl beeinflussen.

Ein Schlüssel dafür sind unsere Gefühle. In der Krankheitserfahrung scheinen positive Gefühle manchmal so weit weg, und doch sind sie im Hintergrund die ganze Zeit da, wenn auch vielleicht nur schwach. Ihnen wieder mehr Raum zu geben, kann eine Aufwärtsspirale in Gang setzen: Positive Gefühle weiten unseren Blick, und ein weiter Blick zeigt uns Handlungsmöglichkeiten, die wir vorher vielleicht gar nicht gesehen haben.

Ein zweiter Schlüssel sind unsere eigenen Stärken. Der offeneBlick darauf, was du gut kannst und was dir entspricht, gibt Rückenwind, gerade an schwierigen Tagen. Und wenn der Gegenwind stärker wird, hilft es, sich selbst freundlich zu begegnen. (Mein Kollege Thorsten Sauter nennt das im Business-Kontext Selbstfreundlichkeit; das klingt anschlussfähiger.)

Ist das nicht Schönreden?

Diese Frage bekomme ich in unseren Ausbildungen regelmäßig zu hören, und ich finde sie gut, denn es steckt eine berechtigte Sorge darin: nichts beschönigen wollen, was sich nicht beschönigen lässt.

Unsere Antwort darauf ist ganz klar. Es geht in keiner Weise darum, eine Erkrankung wegzudenken oder ein Pflaster des Reframings über die Symptome zu kleben. Es geht um das, was neben den Symptomen der Krankheit auch noch Platz haben kann. Das ist ein großer Unterschied, und deshalb arbeiten wir in diesem Seminar mit wissenschaftlich fundierten Interventionen und nicht mit platten guten Ratschlägen.

Warum ich mich auf Conny Schlick freue

Prof. Dr. Cornelia Schlick ist Professorin in gesundheitsbezogenen Studiengängen, Physiotherapeutin und Master of Public Health. An der IU leitet sie das Forschungsprojekt „Positive Psychology-informed Communication in Healthcare“, arbeitet also genau an der Schnittstelle, um die es hier geht.

Was ich an ihrer Arbeit besonders schätze: Sie verbindet fachliche wissenschaftliche Klarheit mit Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen. Ihr Trainermotto lautet: „Mut kommt beim Machen.“ Genau so ist auch dieses Seminar gebaut. Wir sprechen nicht über Interventionen, du probierst sie aus.

Und Desiree Michalik bringt die andere Hälfte mit

Denn Conny leitet das Seminar nicht allein. Desiree Michalik ist zertifizierter Coach und Beraterin der Positiven Psychologie und arbeitet in Unternehmen zu mentaler Stärke, Stärkenorientierung und Achtsamkeit.

Sie bringt genau den Teil mit, der an den schweren Tagen zählt. Wenn der Gegenwind stärker wird, hilft es, sich selbst freundlich zu begegnen, und der Weg dorthin ist für jeden Menschen ein anderer. Desiree macht daraus kein Konzept, sondern eine Übung: Man merkt im Erleben, was ein anderer innerer Ton verändert.

Ihr Satz dazu gefällt mir, weil er die Erwartung so angenehm kleinhält: „Kleine Impulse können schon so viel bewirken.“ Genau darum geht es in diesen drei Tagen. Nicht das Leben umbauen, sondern herausfinden, was trägt.

Zusammen decken die beiden ab, was dieses Thema braucht: Conny die Forschung an der Schnittstelle von Gesundheit und Positiver Psychologie, Desiree die Praxis mit Menschen, die den freundlichen Umgang mit sich selbst erst wiederfinden müssen.

Erst einmal hineinschnuppern?

Falls du nicht gleich drei Tage investieren möchtest, gibt es einen kürzeren Weg. In unserer neuen Reihe PP-Insights nehmen wir uns an einzelnen Abenden jeweils ein Thema der Positiven Psychologie vor, und drei davon führen mitten in dieses Feld.

Am 20. Oktober geht es um körperliche Erkrankungen, am 27. Oktober um seelische Belastungen. Conny Schlick und ich gestalten beide Abende gemeinsam. Und am 14. Januar hält Conny einen Abend allein, über die Hope Theory nach Charles R. Snyder: Zuversicht besteht aus einem Ziel, aus Wegen dorthin und aus der Selbstwirksamkeit, diese Wege zu gehen. Wenn sie einbricht, lässt sich fragen, welcher der drei Teile gerade fehlt. Damit wird Hoffnung zu etwas, das man lernen kann, und genau dieses Modell ist auch Teil der drei Seminartage.

Und am 8. März hält Desiree einen eigenen Abend über Selbstmitgefühl, also über jene freundliche Haltung sich selbst gegenüber, die im Seminar der dritte Schlüssel ist.

Das Praktische

Das Seminar dauert drei Tage und findet in unseren Räumen in Bad Aibling statt. Es kostet 490 Euro, das ist der Einführungspreis für die erste Durchführung. Als Bildungsleistung ist es von der Umsatzsteuer befreit, es kommt also nichts hinzu.

Die Verpflegung ist nicht enthalten, und das ist eine bewusste Entscheidung. Du versorgst dich selbst und kannst damit essen, was dir bekommt. Bei vielen chronischen Erkrankungen ist das eher eine Erleichterung als ein Nachteil. Wo du in der Nähe etwas findest, sagen wir dir gern.

Und falls es finanziell trotzdem nicht möglich ist: Schau dir unsere INNTAL-Stipendien an oder sprich uns einfach an.

Zum Schluss

Mit einer chronischen Erkrankung zu leben heißt, den eigenen Weg mit ihr zu finden. Diesen Weg kannst du aktiv selbst gestalten, und du musst es nicht allein tun.

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