Die Stress Nanny: Erfahrungen mit der Positiven Psychologie

Kann ich mein Leben verändern, wenn ich meine Sichtweise darauf verändere?

In der Ausbildung zum zertifizierten Anwender der Positiven Psychologie können die Teilnehmer/innen für ihre schriftliche Abschlussarbeit zwischen drei Varianten wählen: Sie schreiben entweder eine Coaching-Falldokumentation, führen ein berufliches Projekt mit der Positiven Psychologie durch, oder sie erstellen ein persönliches Portfolio. Das ist ein strukturiertes Selbstcoaching-Projekt, bei dem sie einen Themenbereich wählen, sich Ziele setzen und Coachinginterventionen der Positiven Psychologie über mehrere Wochen bei sich selbst einsetzen. Wir veröffentlichen im INNTAL-Blog solche Abschlussarbeiten und freuen uns, hier ein ganz besonderes Portfolio vorstellen zu dürfen. Dina Saleem hat sich auf humorvolle und beeindruckende Weise mit der Frage auseinandergesetzt, wie sie ihre eigene Sicht auf die Dinge ändern kann, die in ihrem Leben so passieren. Viel Freude beim Lesen - und danke, liebe Dina, dass du deinen Text zur Verfügung stellst!

 

Das Leben ist ein kreativer Spiegel deiner eigenen Sichtweise.

Verändere sie, und das Leben passt sich an. (Anke Evertz)

Worum es geht

Kann ich mein Leben verändern, wenn ich meine Sichtweise darauf verändere? Die Antwort darauf lautet vermutlich ja. Ich habe es selbst schon erlebt. Allerdings von der anderen Seite. Etwas ist mir passiert und dadurch hat sich meine Sichtweise verändert. Das ist auch gut.

Aber – kann ich aktiv meine Sicht auf die Dinge ändern? Kann ich selbst bestimmen, wie ich Dinge sehen will? Und wenn ja, was für Auswirkungen hat das auf mein Leben?

Das ist eine sehr zentrale Frage, auf die ich schon seit längerem eine Antwort suche. Die Positive Psychologie gibt einige Antworten darauf. Forscht sie doch schon seit einigen Jahrzehnten auf dem Gebiet des Menschlichen Wohlbefindens.

Im Laufe dieses Portfolios, werde ich verschiedene Interventionen dazu nutzen, meine Geisteshaltung oder Stimmung zu überprüfen und im Anschluss die Veränderung zu dokumentieren, die sich durch die Arbeit ergab.

Dazu nutze ich die Prinzipien der Selbstfürsorge und unterstütze sie mit Interventionen, die mir leicht fallen und die ich gerne mache. So wird es am einfachsten meine Motivation aufrecht zu erhalten.

 

Gedanken

Selbstwirksam. Motiviert. Veränderung.

Das sind die drei zentralen Punkte, auf die ich meine Projektarbeit herunterbrechen kann. Ein Gedanke, der mich in den letzten Wochen nachhaltig beeindruckt hat, stammt von einer Autorin namens Anke Evertz.

Dem Tod von der Schippe gesprungen, hat sie ihr Leben neu ausgerichtet und sinngemäß folgendes Prinzip angewendet :

Wenn du dich in einer Situation schlecht fühlst, dann schau dir dieses Gefühl genau an und frage dich „Will ich dieses Gefühl in meinem Leben behalten?“. Da die Antwort darauf meistens ein Nein ist, frage dich „Wie willst du dich stattdessen fühlen?“ und entscheide dich dann dafür.  1

Das klingt auf den ersten Blick ganz schön einfach was? Und es wäre natürlich ein Traum, wenn man diese Entscheidung einfach so treffen könnte! Jetzt bin ich in den letzten Monaten zum Glück nicht dem Tod von der Schippe gesprungen und habe nicht diese starke Motivation, die mit einer solchen Situation einhergeht.

 

Wie alles begann

Als ich anfing mich auf diese Portfolio Arbeit vorzubereiten, hatte ich noch keine konkrete Idee, was ich damit erreichen will. Da ich aber glaube, dass es immer besser ist, zu wissen wovon man spricht, beschloss ich all die interessanten Dinge, die ich im Laufe der Ausbildung gelernt hatte, bei mir selbst anzuwenden.

Das ist nicht das Schlechteste. Denn schließlich kann man Erkenntnisse, die man im eigenen Leben anwendet besser vermitteln, als etwas das man nur vom Hörensagen kennt. 

Mein Leben ist, würde ich sagen recht normal, was das Verhältnis zwischen guten und schlechten Tagen angeht. Ich würde mich als überdurchschnittlich mutig und kompromisslos bezeichnen. Das mache ich daran fest, dass ich des Öfteren schon Wohnorte gewechselt habe, auf spontane Weltreisen gefahren und auch ansonsten im Angesicht von spontanen großen Veränderungen relativ entspannt bleibe.

Kompromisslos bin ich auch. Ich hatte nie Schwierigkeiten damit, Umstände in meinem Leben zu ändern, die nicht mehr zu mir gepasst haben. Man hätte noch an der Technik feilen können. Die Art WIE ich diese Umstände verändert habe war nicht immer elegant, aber naja... nobody’s perfect.

Die Tage zogen dahin, und ich war auf einmal mit einer neuen ungewohnten Situation konfrontiert. Und die nahm ich direkt als Grundlage für mein Portfolio.

Ich habe eine neue Stelle angefangen. Da hat sich viel verändert. Ich wurde vom freien Vogel, der alles machen kann, was er will, in Teilzeitketten gelegt. Natürlich freiwillig. Und natürlich ist es nicht so dramatisch, wie ich es hier jetzt ausgedrückt habe. Aber, es beschreibt ganz gut den größten Konflikt, den ich mit den neuen Umständen hatte. Meine Zeit hat plötzlich nicht mehr nur mir gehört.  Und, und das ist viel wichtiger, ich konnte nicht nach sechs Wochen auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Was super ist, wenn man selbständig arbeitet. Wenn man ein Projekt beendet ha, dann geht man wieder und muss sich nicht mit den Tücken langfristig gewachsener sozialen Strukturen auseinandersetzen.

Die ersten acht Wochen in einer neuen Firma. Neue Menschen, neue Strukturen, neue Aufgaben. Ich. In einem neuen Umfeld, in dem ich länger als sechs Wochen bleiben würde. Stellt sich raus. Ich bin doch nicht so mutig, wie ich immer dachte. Shocker.

 

Im Angesicht des Turms

Alle Geschichten, die sich um die eben erwähnte Stelle ranken, finden im Bürogebäude der neuen Firma statt. In einem großen, schwarzen Turm. Kein Witz. Ich bin eher zufällig an diese Stelle geraten, kurz vor Weihnachten aus dem Nichts heraus wurde sie mir angeboten. Ich habe sie bekommen und dann waren die Feiertage. Und Neujahr.

Zwei Monate nach meinen Vorstellungsgesprächen, am 4. Februar, stieg ich in den Aufzug und fuhr in das Stockwerk in dem ich arbeiten würde. Im Gepäck meinen Portfolio Plan und viele Techniken aus der Positiven Psychologie, die ich mir bereit gelegt hatte, um möglichst gut zu starten.

 

Ich packte meinen Koffer und nahm mit

Mein Portfolio war eine gedachte Stütze für die vermeintlich schwierige Situation, in die ich mich hineinmanövriert hatte. Ich war relativ unvorbereitet an diesen Job geraten. Der esoterisch empfindliche Leser sollte jetzt mal kurz zwei Sätze wegschauen. Ich weiß, das ist nicht für jeden was!

Aber, ich hatte mir diesen Job in einem Moment großer Langeweile beim Universum bestellt. Die Lieferung, die bei mir normalerweise nur beim Wünschen von Parkplätzen funktioniert, erfolgte keine 12 Stunden später. Ich hatte also vor Weihnachten auf dem Sofa etwas bestellt, bekam es, hörte dann zwei Monate nichts davon und jetzt war es da.

Wie ich schon erwähnte, habe ich mir selbst eingestehen müssen, dass ich nicht so mutig bin, wie ich immer meine. Oder sagen wir... ich bin Insel-mutig. Nachts in der indischen Pampa Schlaglöchern ausweichen ist kein Problem. Aber dann halt mit neuen Kollegen arbeiten schon.

Aber gut. Ich war ja vorbereitet. Als Ausgangsstütze gegen all die vermeintlichen Herausforderungen hatte ich mir ein Konzept erstellt, das ich, ganz selbstfürsorglich, die Stress Nanny getauft habe. Ein Auffangnetz für die schwierigen Situationen, denen ich eventuell begegnen könnte. Das Konzept bestand aus Übungen, die mir auch während der Level 1 Ausbildung leicht gefallen sind. Dazu gehört alles, bei dem ich schreiben und meinem Inneren völlig freien Lauf lassen kann.

Das expressive Schreiben

Ich habe dafür verschiedene Module benutzt, um es möglichst oft und viel machen zu können.

  1. Der expressive Kalender

Hier habe ich für die ersten acht Wochen meines neuen Abenteuers an zufälligen Tagen, zu zufälligen Uhrzeiten Termine in meinen Kalender eingestellt. War es Zeit, erschien auf meinem Handydisplay ein Reminder in Form einer unterstützenden Botschaft.

Was war daran expressiv? Wie ich oben schon erwähnte, lasse ich meinem inneren freien Lauf. Und die Erstellung dieses Kalenders erfolgte expressiv. Ich saß also an meinem Rechner, tippte nach Gefühl auf einen Tag und schrieb mir in die Zukunft. Was mich an der Übung am meisten umgehauen hat, war, wie gut diese Botschaften dann auch gepasst haben.

Man könnte sich jetzt fragen, ob es so was wie eine Self-Fulfilling-Prophecy war. Die dann super funktioniert hat. Wenn dem so ist, ist das ein super Tool, um sich sein Traumleben herbeizuschreiben.

 

  1. Best Possible Self / Better Possible Self

Diese Übung habe ich zu Beginn gemacht, um ein Ziel vor Augen zu haben, wo meine persönliche Reise hingeht.

 

  1. Expressives Schreiben mit Stärke

Hier habe ich die Variante schreiben mit einer Stärke im Hintergrund benutzt.

Die Zeitpunkte habe ich nach Gefühl gewählt. So ist während der Arbeit auch mal eine expressive Email geschrieben worden. Eine perfekte Tarnung im Arbeitsalltag!

 

Expressiv and then some

  1. Was für mein Support System auch noch wichtig war, ist ein Rettungsnetz in Form eines Mentors zu haben. Das heißt, wenn es mal wirklich gar nicht geht und ich keinen Ausweg aus meiner Situation weiß, dann kann ich fragen. Das kam zweimal vor und hat mich enorm weitergebracht. Man sollte viel öfter mit Mentoren sprechen.
  1. Der positive Tages- / Wochenrückblick. Das ist eine sehr schöne Intervention, da sie den Fokus auf die guten Dinge, die passieren richtet. Außerdem kann man sich hier auf eine schöne Art seiner Selbstwirksamkeit bewusst werden.

 

Zu Beginn dieser Arbeit steht natürlich eine Bestandsaufnahme. Die da lautet, wie glücklich bin ich eigentlich? Dank ein paar neugierigen Wissenschaftlern, die das auch schon wissen wollten (also über Andere, nicht über mich), gibt es hierfür einige Tests.

Ich habe zu Beginn und zum Ende meiner Portfolio Arbeit die Tests gemacht und berichte am Ende, wie sich die Werte entwickelt haben.

Folgende Tests kommen zum Einsatz :

1.        Subjective Happiness Scale (SHS) 3

2.        Positive und negative Gefühle (3)  (PANAS-Fragebogen (positive affect/negative affect) 4

 

Was die Forscher sagen

Nach Kristin Neff (2011) beinhaltet Selbstmitgefühl drei verschiedene Komponenten.

  1. Freundlichkeit mit sich selbst
  2. Verbundenheit mit allen Menschen
  3. Achtsamkeit 2

Was ich an dem Prinzip des Selbstmitgefühls sehr schätze ist, dass es Raum für Fehler bietet. Man muss als Mensch nicht ohne negative Gefühle existieren. Ganz im Gegenteil. Man erkennt an, dass auch die negativen Emotionen zum Leben gehören. Dass Menschen beides brauchen, um wachsen zu können. Und dieser Gedanke tut sehr gut. Denn das Wegdenken einer Hälfte menschlicher Emotionen würde nur zu noch mehr Leid führen. Lieber ist es mir, ich kann meine Fehler gütig annehmen und dann, wenn mein Ego aus dem Weg geht, erkennen, dass alles seinen Sinn hat. Alles dazu gehört und ich gut bin, so wie es ist.

Befreiend nicht wahr?

Meine These dazu ist, sobald ich es schaffe diese Geisteshaltung zu verinnerlichen, wird sich in meinem Leben vieles verändern. Ich schätze ich werde freier Entscheidungen treffen. Werde glücklicher mutig sein als es im Moment der Fall ist. Und wer weiß, wohin mein Weg mich dann führt.

Werkzeuge

Am meisten sprachen mich während der Ausbildung die Übungen aus der Welt des expressiven Schreibens an.

Das expressive Schreiben folgt hierbei einer einfachen Regel. Sie können schreiben, worüber sie wollen. Achten Sie nicht auf Rechtschreibfehler, Satzbau, Grammatik oder Zeichensetzung. Das aller wichtigste ist, dass sie kontinuierlich schreiben, bis die Zeit um ist. In der Regel sind das zwischen 15 bis 20 Minuten und man empfiehlt die Übung an 3-5 Tagen hintereinander zu machen. (Pennebaker & Beal, 1986) 5

Laura King (2011) erforschte die positiven Auswirkungen des expressiven Schreibens, auch über das Schreiben über eine positive Zukunftsvorstellung. So ergaben sich die beiden Methoden, „Best Possible Self“ und die etwas sanftere Variante „Better Possible Self“.

„Für manche Menschen kann die Vorstellung von einem „bestmöglichen Selbst“ mit dem Risiko des Perfektionismus verbunden sein, speziell wenn diese zukünftige Selbst sich zu stark vom aktuellen Selbst unterscheidet.“ ... „Die Vorstellung eines „besseren“ Selbst kann entlastend wirken und die persönliche Motivation, sich dorthin zu entwickeln, sogar steigern.“ 6

King, Pennebaker und all die anderen klugen Köpfe, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, kamen zu folgendem Schluss :

Das expressive Schreiben ist ein großartiges Tool, um sich mit traumatischen Erfahrungen auseinander zu setzen. Dabei ist es allerdings wichtig, dass das Erlebte schon einige Zeit zurück liegt.7

Aber, und jetzt kommt der spannende Part für mich. Man kann sich auch mit Dingen beschäftigen, die in der Zukunft liegen. Kann sich selbst als guter, wohlwollender Freund durch schwierige Situationen navigieren und kann eine Situation mit Stärke-Brille betrachten. Dann mal losgelegt!

Zahlen und Fakten – 1

Ich starte mit einer Subjective Happiness Scale von 3.25 . Das ist unter dem Durchschnitt. Das Ergebnis hat mich überrascht, ich schiebe das allerdings auf meine bevorstehende Veränderung. Da ich mich etwas unentspannt fühle, bewerte ich meine eigene Stimmung vermutlich schlechter.

Der Panas-Fragebogen ergab einen Wert von 31  bei den positiven und 30 bei den negativen Gefühlen. Also ausgewogen. Ich denke das ist normal.

Surprise, surprise – oder, wenn wie immer alles irgendwie kommt

So weit, so vorbereitet. Die ersten Tage im Büro waren wie zu erwarten recht konfus. In welchem Stock ist noch mal die Kantine? Man fährt so mit dem Aufzug nach oben und nach unten, hält Smalltalk mit Kollegen aus irgendeinem anderen Stock „Ach wirklich? Es ist normal, dass Aufzug D stecken bleibt?“. Und nimmt an Meetings teil. Jeden Morgen. Auch mittags, manchmal zweimal. „Stellt euch mal den anderen 600 Kollegen vor! Die sind ganz gespannt auf euch!“

Genau. Alle sind ganz gespannt. Auf mich.

Ich glaube man hört ganz gut raus, dass ich Meetings jetzt nicht so besonders toll finde. Dieser Umstand wurde auch gleich mal auf die Probe gestellt. Nämlich mit der Mail, die allen Meetings folgen sollte. Der „Stellt euch mal mit ein paar kurzen Sätzen dem Haus vor, ich pack das dann in eine Sammelmail.“ -Mail.

Tja. Da saß ich nun an meinem Küchentisch. Vor meinem Computer. Und verspürte dieses starke Bedürfnis, was Witziges, das aber auch irgendwie cool klingt und sich nicht ganz so wichtig nimmt, aber immer noch wichtig genug ist. Man will ja nicht den Eindruck erwecken, man hätte keinen Selbstrespekt.

Man sieht ganz deutlich – es war praktisch kein Druck vorhanden.

Als ich nach geraumer Zeit, mit immer weiter gesteigerter Anspannung den Satz „Hi, ich habe keinen Bock auf diese Mail, wer was wissen will, soll vorbeikommen.“ Auf den Monitor gebracht hatte, wusste ich: Es wird Zeit für eine Intervention.

Who you gonna call?

Was ich immer wieder lustig finde ist die Betriebsblindheit, mit der man manchmal so durch die Welt geht. Ich habe ja extra für diese Zeit ein Support-System gemacht! Aber als ich dann auf die Idee kam, ich könnte ja meine Stärken expressiv den Text für die Sammelmail schreiben lassen... da hab ich mich gefühlt, als sei ich der frisch der Badewanne entsprungene Archimedes. Hach, Heureka- Momente. Die sind auf jeden Fall was für den positiven Tagesrückblick. 

Also, gesagt getan, Timer auf 20 Minuten, Humor gefragt – er hatte auch Lust, losgelegt. Was mir beim Schreiben mit Stärken und besonders mit meinem Humor schon öfter aufgefallen ist. Am Ende holt er immer noch eine andere Stärke dazu, um noch mal drüber zu lesen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ich lese zwar immer gerne belustigt mit, was er so von sich gibt. Aber wenn am Ende die Stärke Profi noch mal drüber liest und mich vor einem Fünf-Sätze-Comedy-Fauxpas bewahrt, dann ist das schon toll. Er ist eben auf seine ganz eigene Art weise.

 20 Minuten später hatte ich also meinen Text und hab mich sehr gefreut.

Das war quasi der Startschuss für alle möglichen expressiven Momente. Ich bin gestresst? Kein Problem – expressive Email. Mini-Urlaub in der Sonne? Gleich mal eine expressive Notiz in sein Telefon tippen. Man kann das ausbauen.

Was mir auch das Gefühl gegeben hat gut aufgehoben zu sein, waren die Botschaften aus meinem expressiven Kalender. Sie kamen tatsächlich meist im richtigen Moment. Gefühlt. Und haben immer dafür gesorgt, dass ich noch mal anderes reflektieren konnte oder mich daran erinnert, dass man manchmal nur eine kurze Pause braucht, um alles wieder mit Abstand zu sehen. Ich habe mich tatsächlich sehr „umsorgt“ gefühlt. Auf eine selbstwirksame Art.

Note to Self

Der positive Tagesrückblick ist eine Intervention, die auch schon aus meiner Zeit vor der Positive Psychologie kannte. Das Dankbarkeits-Tagebuch und wie sie alle heißen, war mir schon über den Weg gelaufen. Ich war schon damals sofort von dem Gedanken angetan und deshalb läuft diese Intervention bei mir immer parallel mit.  Ich gehe sozusagen durch den Tag und sammle gute Dinge, die ich abends aufschreiben würde. Oder, an die ich mich erinnern könnte.

Was allerdings durch die Positive Psychologie dazu kam, ist der Gedanke der Selbstwirksamkeit. Was habe ich dazu beigetragen, dass es mir heute so geht? Das war neu.

Was sagen die Wissenschaftler?

In den verschiedensten Studien wurde festgestellt, dass die Intervention des positiven Rückblicks zu einer Linderung negativer Emotionen führte. Und zwar schon direkt nach der Übung. Dies stellten Seligman und Kollegen fest, nachdem sie die Tests auf ihrer Website und die gleich im Anschluss gestellten Fragen auswerteten.8

Besonders wichtig finde ich hier wie gesagt den „Was habe ich dazu beigetragen“ -Gedanken. Denn dann wird einem bewusst, dass man selbst wirken kann und somit auch über sein eigenes Verhalten das Erleben steuert. Und dieser Gedanke knüpft direkt an meine Ausgangssituation an. Kann ich mein Erleben, mein Wahrnehmen und meine Gefühle steuern? Die Antwort, die hier gegeben wird lässt vermuten, Ja.

Das Resultat aus meinem Heureka-Moment auch.

Was sonst noch geschah

Um jetzt nicht völlig auszuufern, erzähle ich noch schnell von allem, was sonst noch so geschah. Dann gibt es noch eine Auswertung, wie ich mich jetzt fühle, ein Schlusswort und dann ist es geschafft!

Die Ergebnisse meiner „Best Possible Self“ Übung haben mich in der Zeit ständig im Hinterkopf begleitet und waren ihre ganz eigene Art von Self-Fullfilling-Prophecy.

In zwei Fällen habe ich Mentoren befragt, was Herausforderungen anging. Hier ging es nämlich genau um die Entscheidung: Wie fühle ich mich? Wie will ich mich fühlen? Und wie gehe ich die Sache an? Je nach Ergebnis kann ich dann am Ende entscheiden, wie es weitergehen soll. Ich bin da wie gesagt nicht so.

Alles in allem kann ich Folgendes sagen.

Ein Leben mit positiven Interventionen ist lebenswert. Man ist allgemein vergnügter und muss nicht immer alles so ernst nehmen. Mir hat es Spaß gemacht. Vieles habe ich verinnerlicht und in mein permanentes Repertoire aufgenommen. Es gibt noch so viele Dinge aus der Positiven Psychologie, die ich in meinen Alltag mitgenommen habe. So ziehe ich jetzt viel öfter bewusst mit meinem Elefanten um die Häuser und kümmere mich besser, wenn es ihm nicht gut geht. Ich folge mehr meinem Gefühlskompass und lasse mich da hinbringen, wo ich hingehöre. Und ich bin unendlich dankbar, dass ich in der luxuriösen Situation bin, eben das tun zu dürfen.

Zahlen und Fakten – 2

Meine Subjective Happines Scale ist am heutigen Tag bei 4,5. Guter Mittelwert, Tendenz steigend.

Beim PANAS-Fragebogen (3) fand bei den positiven Emotionen eine Verschiebung von 31 auf 43 und bei den negativen Emotionen eine Verschiebung von 30 auf 20 statt.

Es hat sich also deutlich etwas bewegt. Allerdings muss auch beachtet werden, dass heute die Sonne scheint und ich schon Eis essen war. Das hat bestimmt auch was mit dem Ergebnis zu tun.

Schlusswort

Wie viel kann sich verändern, wenn man sein Leben in die Hand nimmt? Wenn man sich selbst als ewig wandelbares Wesen erfasst? Wenn man davon profitieren kann, dass kluge Köpfe unsere Welt erforschen? Heute kann ich sagen, ich habe einen Weg erkannt. Ich habe mich besser kennen gelernt. Ich habe gelernt vieles mit mehr Wohlwollen und Nachsicht zu betrachten.

Und ich habe jetzt endlich ein Haustier. Einen Elefanten. Manchmal ist er groß und manchmal ganz klein. Ich verstehe mich jetzt viel besser mit ihm. Und so wie er gelegentlich mit einer Allgewalt nach vorne prescht, kann ich genauso fühlen, wie sehr er sich freut umsorgt zu werden.

Wir machen jetzt sogar zusammen Sport.

 

Quellen

Evertz, A. ,  Neun Tage Unendlichkeit

Blickhan, D. , Positive Psychologie – Ein Handbuch für die Praxis (S.259)

Lyubomirsky, S. (2007). The How of Happiness. London: Sphere

Inntal Institut, Ausbildungsunterlagen, Seite 46

Watson, D. & Clark, L. A. (1988). Development and Validation of Brief Measures of Positive and Negative Affect: The PANAS Scales. Journal of Personality and Social Psychology, 54(6), 1063-1070 Übersetzung: Krohne, H. W., Egloff, B., Kohlmann, C.-W., & Tausch, A. (1996). Untersuchung mit einer deutschen Form der Positive and Negative Affect Schedule (PANAS). Diagnostica, 42, 139-156 Inntal Institut, Ausbildungsunterlagen, Seite 41.

https://www.researchgate.net/publication/227206033_Expressive_Writing_An_Alternative_to_Traditional_Methods Handbook of Low-Cost Interventions to Promote Physical and Mental Health: Theory, Research and Practice, in press

Expressive Writing: An Alternative to Traditional Methods

Ewa Kacewicz, Richard B. Slatcher, and James W. Pennebaker (The University of Texas at Austin ) (2006)

Blickhan, D. , Positive Psychologie – Ein Handbuch für die Praxis (S.218-219)

Ausbildungsinhalt Inntal Institut , Blickhan, D., 2019

Blickhan, D. , Positive Psychologie – Ein Handbuch für die Praxis (S.93)

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